Brasilien: Karneval in Rio – eine Nacht im Sambódromo


Ganze 10 Stunden haben wir in Rios berühmten Sambódromo verbracht und uns die Paraden von 6 Samba-Schulen angeguckt. Eins gleich vorweg: Das war wohl eines der beeindruckendsten Erlebnisse (wenn nicht sogar das beeindruckendste) meines Lebens! Das Ausmaß dieses Umzugs kann man sich nur schwer vorstellen, wenn man es nicht ein Mal gesehen hat. Es ist der absolute Wahnsinn! Für jede (!) Schule laufen etwa 3.000 Tänzer die ca. 700 Meter lange Strecke an etwa 80.000 Zuschauern vorbei.

Wir hatten Stehplätze im Sektor 6 (Grandstands) und haben dafür 461 Real pro Karte gezahlt (etwa 130 Euro, inklusive Gebühren über rio-carnival.net). Wenn man bedenkt, was uns dafür geboten wurde: Nämlich eine 10 stündige Explosion aus Tanz, Musik, Kostümen und super aufwendig gestalteten Umzugs-Wagen – dann ist das echt nicht teuer. Abgeholt haben wir die Karten in Rio. Das hat alles reibungslos und ohne Probleme geklappt.

Da unser Hotel in Lapa war, also in Laufnähe zum Sambódromo, haben wir einige Wagen schon vorher auf der Straße bewundern können. Die werden nämlich tagsüber dort aufgereiht, damit sie dann abends geordnet einfahren können. Ich dachte ja immer, dass es pro Schule einen oder zwei Wagen gibt. Tatsächlich fahren mindestens 5 davon pro Schule durch das Stadion.

Die erste Schule, União da Ilha, startete um 22 Uhr, wir waren gegen 19:30 Uhr vor Ort und konnten uns so noch gute Plätze auf der treppenartigen Tribüne sichern. Etwa 75 Minuten hat jede Schule für die Strecke gebraucht und so kam es, dass wir erst um 7 Uhr morgens wieder im Hotel waren. Vor Ort werden Getränke, Snacks und Sitzkissen verkauft.

União da Ilha war übrigens mein Favorit. Die Schule hat meiner Meinung nach ihre Samba-Tänzerinnen am besten zur Schau gestellt und sie hatten auch viel mehr einzelne, in Szene gesetzte Samba-Tänzerinnen als alle anderen. Es ist nämlich nicht so, dass jeder dort Samba tanzt. Die meisten Leute laufen nur mit oder bewegen sich auf den wackeligen Wagen ein bisschen zur Musik. Und selbst die Samba-Tänzerinnen machen den Samba-Schritt in ihren hohen Schuhen und mit Flügeln besetzten Kostümen immer nur kurz. Die meiste Zeit bewegen sie sich hübsch für die Kamera-Männer, die mit ihnen mitlaufen und machen Stimmung an den Zuschauer-Rängen. Einen Ausschnitt davon hatte ich bereits vor einiger Zeit bei Instagram online gestellt. Angucken könnt ihr euch das hier.

Die Kostüme sind unglaublich schön und kreativ und da oft mehrere hundert Menschen das gleiche Kostüm tragen, ist die Wirkung natürlich enorm. Außerdem hat jede Schule prächtig kostümierte Paartänzer dabei, die sich eigentlich die ganze Zeit nur drehen und dabei die Fahne der jeweiligen Schule schwenken.

Musikalisch ist die ganze Show ein wenig eintönig, da über die 75 Minuten nur ein Lied immer wiederholt wird – gespielt von der Band, die gegen Ende des Zuges mitläuft. Das kann auf die Dauer ein bisschen ermüdend sein. Am besten fande ich die Trommler, die ebenfalls gegen Ende des Zuges mitlaufen.

Die ganze Nacht im Sambódromo zu verbringen, ist natürlich nicht ohne. Aber das riesige Spektakel ist es wert. Wer nicht unbedingt sparen muss, kann es sich auch in einer der VIP-Lounges gemütlich machen und dort eine super angenehme Nacht verbringen. Für uns kam das allerdings nicht in Frage. Wir wollten in Mitten der Brasilianer feiern und den Karneval hautnah miterleben.

Den Karneval hautnah miterlebt haben wir außerdem bei den zahlreichen Blocos. Ein Bloco ist eine Straßenparty, die durch ein bestimmtes Viertel zieht. Diese Mini-Umzüge sind recht überschaubar und daher auch super angenehm.

Bloco in Lapa

Alles in allem waren wir super begeistert vom Karneval in Rio. Obwohl wir in Deutschland überhaupt keine Fans von Fasching bzw. Karneval sind. In Brasilien gibt es keine komischen Reden, das Wetter ist super, tagsüber kann man an den wundervollen Stränden entspannen oder sich die großartige Stadt angucken und die Musik gefällt mir natürlich viel besser. Außerdem gibt es an jeder Ecke Caipirinhas für etwa 3 Euro, die unglaublich lecker schmecken 🙂 .


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