Was Jakarta so anstrengend macht

Jakarta. Ich hatte von der Hauptstadt Indonesiens schon im Vorfeld nichts Gutes gehört. Daher war ich zunächst einmal überrascht, denn anfangs fande ich die Stadt gar nicht so schlimm. Das hat sich jedoch schnell geändert. Nach nur zwei Tagen wollte ich (Basti schon nach einem Tag) nur noch eins: weg.

Tuk Tuks in Jakarta
Tuk Tuks in Jakarta

Von Anfang an: Von Kuching (Malaysia/Borneo) aus sind wir mit Malindo Air nach Kuala Lumpur und von dort aus mit Lion Air nach Jakarta geflogen. Von Malindo Air (gehört zur Lion Gruppe) war ich sehr positiv überrascht. Das Flugzeug sah innen sehr ordentlich aus (keine abgewetzten/alten Sitze) und die Stewardessen hatten so hübsche Uniformen an (ja, für sowas kann ich mich begeistern). Sie trugen weiße Blusen und einen langen gemusterten Rock mit passenden Schlappen (!) dazu. Außerdem gab es auf dem Flug zumindest ein paar Kekse und Wasser für jeden (bei Lion Air und Air Asia muss man einen Aufpreis für Essen und Getränke zahlen). Und erstaunlicherweise hatte auch jeder einen Bildschirm. Dabei hat der Flug nur knapp zwei Stunden gedauert. Die Auswahl war zwar nicht so groß (jeweils eine Folge „How I met your mother“, „Big Bang Theory“, „Two and a half Men“, „Modern Family“ und „Glee“ sowie verschiedene Musikvideos und eine Comedy-Show), aber für den kurzen Flug mehr als ausreichend.

In Jakarta haben wir uns dann erstmal mit dem Bus vom Flughafen in die Stadt gekämpft. Da hätten wir es eigentlich schon wissen müssen. Aber ich war zu sehr darüber erfreut, so viele kleine Straßenstände zu sehen.

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Am Hostel angekommen, wartete schon die nächste positive Nachricht auf uns: Für ein Zimmer mit Bad im sehr hübsch eingerichteten Hostel 35 mussten wir nur 10 Euro pro Nacht zahlen. Sehr toll fande ich da auch noch den Fischteich direkt vor unserer Tür.

Hostel 35
Hostel 35
Hostel 35
Hostel 35

Erst später fiel uns auf, dass wir ja gar kein Waschbecken haben (scheint hier in Indonesien so üblich zu sein) und vor der Tür gefühlte 1000 Moskitos auf uns warten. Diese sollten sich zur echten Plage entwickeln, denn im gesamten Aufenthaltsbereich (der so schön eingerichtet war), schwirrten diese fiesen Tiere herum – und da fiel uns dann auch ein: Fischteich = viele Moskitos.

Vor der Hostel-Tür haben uns dann nicht die Moskitos genervt, sondern die nicht enden wollenden Mopeds, Autos, Tuk Tuks und Taxis, die es einem nicht erlauben „normal“ über die Straße zu gehen. In Jakarta muss man mitten rein laufen in den Verkehr. Ja, auch wenn da ein LKW oder Bus oder sonstiges Gefährt direkt auf einen zurollt. Einfach gehen – das klappt erstaunlich gut, setzt aber etwas Mut voraus. Funktionierende Fußgängerampeln sucht man vergebns.

Nach dieser ersten Straßenerfahrung wollten wir am nächsten Tag erstmal entspannt in einen Park. Parks stehen ja normalerweise für Erholung – nicht so das „Mini Indonesien“.

Um dorthin zu kommen haben wir allein über zwei Stunden mit den TransJakarta Bussen gebraucht – für 18 km! Das hatte der „Lonely Planet Südostasien“ nicht erwähnt: der Weg von der Stadt in den Park gleicht einer Weltreise. Mit den TransJakarta-Bussen sollte man eigentlich im Vergleich zu den anderen öffentlichen Verkehrtmitteln am schnellsten durch die Stadt kommen, denn das Netz ist gut ausgebaut, sie halten nur an speziellen Haltestellen und benutzen eine extra Busspur. Aber die nützt keinem was, wenn diese ständig verstopft ist (von Autos, Mopeds, usw.).

Endlich am Park angekommen, erwarteten uns dann – Überraschung – noch mehr Autos, Mopeds und Menschen. Ja, die Indonesier können nicht mal an einem Entspannungsort einfach nur laufen. Nein, sie müssen da mit einem motorisierten Gefährt durchfahren bzw. durchschleichen – die standen nämlich permanent im Stau. Im Park. Einem Park mit Straßen, in dem Autos und Mopeds fahren, die auch gern die Gehwege zum Parken oder Fahren benutzen. Als Fußgänger hat man dort kaum eine Chance.

Mini Indonesia
Mini Indonesien – ja, das Bild haben wir im Park aufgenommen

An sich ist dieses „Mini Indonesien“ eine schöne Sache: Man sieht die verschiedenen Häuserstile aus dem ganzen Land (also u.a. aus Kalimantan, Papua, Sumatra) – und wenn man Glück hat, erfährt man auch ein bisschen was über die Bauart und die jeweilige Region (was bei uns allerdings nur im Sulawesi-Dorf der Fall war).

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Das Sulawesi-Dorf
Das Sulawesi-Dorf
Achtet mal auf die Geschlechtsteile der Figuren :)
Achtet mal auf die Geschlechtsteile der Figuren 🙂

Ihr könnt es euch denken, nach diesem ernüchternden Parkbesuch hatten wir richtig Lust die Rückreise anzutreten. Den Tag gerettet hat eigentlich nur das gute Essen. Die indonesische Küche ist wirklich super lecker. An den Straßenständen bekommt man viel Tofu, Tempe, Sate-Spieße (Fleisch-Spieße mit einer sagenhaften Erdnusssoße), die indonesische Nudelsuppe Bakso oder auch Soto Ayam (Nudelsuppe mit Hühnchenfleisch, dazu gibt’s Reis).

Tofu, Tempe und andere frittierte Teilchen
Tofu, Tempe und andere frittierte Teilchen
Sate
Sate
Bakso
Bakso

Und da wären wir auch schon bei dem einzigen Pluspunkt, den ich Jakarta gebe: Das Essen. Vor allem Gado Gado hatte es mir angetan. Das ist eine Art Gemüsesalat mit Reis und dieser wahnsinnig leckeren Erdnusssoße.

Gado Gado
Gado Gado

Sehr empfehlen können wir den Petak-Sembilan-Straßenmarkt in Chinatown, wo es neben Früchten, Gemüse, Süßigkeiten, niedlichen Tieren und Klamotten u.a. auch Frösche (lebend und schon tot) zu kaufen gibt.

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Ansonsten bietet Jakarta einen Wahnsinns-Verkehr, der einfach nur anstrengend ist, Luftverschmutzung, Müll, extrem viele Menschen (die allerdings sehr freundlich sind, auch wenn sie kaum Englisch verstehen) und viele Ratten.

Drei volle Tage waren wir in dieser Stadt und danach wollten wir nur noch weg. Um aber wegzukommen, mussten wir wieder die Reise zu dem Busbahnhof Ramputan antreten (in dessen Nähe liegt auch das „Mini Indonesien“).

Hier noch ein Tipp für alle, die auch mit dem Bus weiterreisen wollen. Um fünf Uhr morgens dauert die Fahrt vom Bahnhof Gambir bis nach Ramputan nur 1,5 Stunden, statt der 2,5 Stunden tagsüber. Dafür zahlt man 2000 Rp pro Person mit der TransJakarta-Karte (15.000 Rp sind 1 Euro). Von dort aus ging es für uns mit dem Bus weiter nach Pangandaran, einem Surfer-Ort im Süden von Java. Die 11-stündige Fahrt kostet 95.000 Rp pro Person. Bucht man diese Fahrten in einer Reiseagentur, legt man 250.000 Rp pro Person hin und muss auch um 4 Uhr morgens aufstehen. Man wird lediglich mit einem Minibus vom Hotel abgeholt und bis nach Ramputan gebracht. Rest: same same 🙂 .

Jakarta können wir nun von unserer Reise-Liste abhaken. Gefallen hat es uns nicht sonderlich gut, aber wir haben in drei vollen Tagen alles gesehen, was wir sehen wollten. Und darum geht es schließlich auch beim Reisen: auch mal anstrengende Orte zu besuchen. Die Erfahrung möchten wir nicht missen, denn erlebt haben sollte man diesen Wahnsinn schon einmal 🙂 .

Das nächste Mal gibt’s wunderschöne Strandbilder und positivere Erlebnisse aus Pangandaran.

3 Gedanken zu “Was Jakarta so anstrengend macht

  1. Ein ganzer korb voller mangosteen 🙂 ich bin neidisch. Die Bilder sind top – aber der Reisebericht bringt mich dazu euch für eure nächste Destination mehr Glück zu wünschen 🙂 lg

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