Warum uns Yogya so enttäuscht hat – Teil 1


Heute nun verrate ich euch endlich, warum uns Yogyakarta (kurz: Yogya) so enttäuscht hat. Die Kunst- und Kulturstadt Javas hat uns nicht mal eine Verschnaufpause gelassen. Ihr erinnert euch ja sicher noch an die Minibusfahrt von Pangandaran nach Yogya. Nach dieser Fahrt wollten wir im Backpacker-Viertel unser Hostelzimmer beziehen. Leider waren viele Hostels schon ausgebucht. Also ließen wir uns von einem jungen Mann in ein anderes Losmen (so heißen die Unterkünfte dort) führen, was uns nur 150.000 Rp (10 Euro) pro Nacht kosten sollte.

Backpacker-Viertel in Yogya
Backpacker-Viertel in Yogya

Von außen machte das Utar Losmen einen sehr guten Eindruck. Das Haus ist in einem frischen Grünton angestrichen, hat eine Veranda und ordentliche Zimmer mit Bad. Den Besitzer lernten wir auch gleich kennen und der war super nett und erzählte uns von einer Ausstellung in der Jalan Malioboro. Das ist eine Straße, in der sich ein Verkaufsstannd (Klamotten, Batik, Uhren, Taschen ,usw.) an den nächsten reiht.

Eigentlich wollten wir uns nach der Busfahrt nur noch ausruhen und eine Kleinigkeit essen gehen. Aber da wir nicht unhöflich sein wollten, gingen wir mit zu der Kunstaustellung, zu der uns unser Hostelbesitzer persönlich begleitete.

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Eingang zur Ausstellung

Doch kaum hatten wir den Ausstellungsraum betreten, war er auch schon weg. Das fiel uns zu dem Zeitpunkt gar nicht auf, da uns die wunderschönen Bilder sofort in ihren Bann gezogen haben. Außerdem wurden wir auch gleich von dem „Kunstlehrer“ in Empfang genommen. Er erklärte uns anhand von Beispielbildern wie seine Schüler die ausgestellten Batikbilder auf Stoffen entstehen lassen. Sehr interessant und beeindruckend war das. Und diese Bilder – wirklich wunderschön. In unglaublich tollen Farben.

Eines hatte uns ganz besonders gefallen. Ein Bild des Vulkans Merapi in tollen Rot-, Blau-, Lila- und Grüntönen. Ich hätte einen super Kunstgeschmack, lobte mich der Lehrer für meine Lieblingsbildauswahl. Dann bekamen wir auch noch kostenlosen Tee angeboten. Wie nett.

Bilder kaufen, dass ist eigentlich nicht in unserem Budget vorgesehen. Doch dieses Vulkanbild hatte es uns so angetan, dass wir den Preis wissen wollten. Der „Lehrer“ fragte, ob er bot uns an, den Preis in Euro, Dollar oder Rupiah zu nennen. Komisch oder? Seit wann verkaufen Indonesier etwas in Euro?

250 Euro sollte „unser“ Bild kosten. Das war uns natürlich zu viel. Wir müssen ja sparen. Aber der „Lehrer“ bot uns ziemlich schnell an, einen eigenen Preis aufzuschreiben. Und dann, hach, welch Zufall, der Künstler ist auch gerade im Haus. Der Lehrer verschwand, der Künstler kam. Auch der war unglaublich nett und auch er bot uns an, einen Preis für sein Bild zu nennen. Ich habe 100 Euro aufgeschrieben und mich ein bisschen dafür geschämt, weniger als die Hälfte für diese beeindruckende Kunst bezahlen zu wollen. Doch ohne mit der Wimper zu zucken, gab er sein ok.

Wir wurden stutzig. Seit wann kann man denn bitte einfach weniger als die Hälfte des Preises angeben und kommt ohne Verhandlungen damit durch? Unsere Alarmglocken waren an.

Trotzdem wollte ich das Bild. Ich bin nun mal ein impulsiver Herzmensch. Wäre ich alleine gewesen, hätte ich das Bild gekauft. Doch Basti, mein kleiner Schwabe, durchdenkt Kaufentscheidungen immer ganz genau. Er wollte eine Nacht drüber schlafen. Doch oh, so ein Pech, wir haben die Ausstellung am letzten Tag besucht, so der Künstler.

So so, der letzte Tag also. Am nächsten Tag wäre es nicht mehr möglich gewesen, das Bild zu kaufen. Das betonten Künstler und „Lehrer“ mehrmals. Basti hat das noch stutziger gemacht. Ich hinbgegen haderte mit mir: Was ist, wenn das nun wirklich ganz tolle Menschen sind und wir mit dem Kauf ihre wunderschöne Arbeit unterstützen könnten? Was, wenn es wirklich der letzte Ausstellungstag ist? Irgendwann ist eine Ausstellung halt mal vorbei. Oder wollen die hier Druck auf uns ausüben? Und wie kann es sein, dass wir den Preis so schnell und so einfach drücken konnten? Aber ein schönes Andenken an die Reise wäre es ja schon. Für unsere nächste Wohnung. Ein Bild, das zeitlos ist. Etwas Besonders.

Ich wollte es.

Doch Basti wollte unbedingt noch eine Nacht darüber schlafen. Der Künstler versicherte uns immer wieder, dass er nicht beleidigt wäre, wenn wir nicht kaufen würden. Es wäre ganz alleine unsere Entscheidung. Er zeigte uns aber ein Buch, in dem alle bisherigen Käufer unterschrieben hatten. Das waren nicht wenige.

Für das Bild sprach übrigens auch, dass es auf Tuch gemalt worden war. Ideal also, um es mitzunehmen, denn es nimmt keinen Platz weg. Der Künstler führte uns vor, wie man es einfach zusammenrollen und einstecken kann – ohne, dass es kaputt geht. Und waschen und bügeln kann man es auch. Das wollte Basti natürlich selbst sehen und so wurde „unser“ Bild vor unseren Augen mit Waschmittel und Wasser bearbeitet. Dann lag es da, nass auf dem Boden – und Basti war immer noch nicht überzeugt.

Also sagte ich zu ihm, wenn er sich nicht wohl fühlt mit dem Ganzen, kaufen wir es nicht. Doch eine entgültige Entscheidung konnten wir immer noch nicht fällen.

Nach einer guten halben Stunde kam der „Kunstlehrer“ wieder vorbei und wollte mit dem Preis nochmal runter gehen. Das fanden wir sehr seltsam und mittlerweile bezweifelten wir stark, dass vor uns tatsächlich ein handgemachtes Bild lag (das wissen wir bis heute nicht).

Danach schien der „Lehrer“ die Geduld mit uns zu verlieren, denn er erinnerte uns daran, dass sie ja alles für uns getan hätten. Sogar gewaschen hätten sie das Bild. Sowas können wir ja leiden: erst bieten sie uns diese Demonstration an und dann wird es uns vorgehalten. Die Alarmglocken in unseren Köpfen wurden immer lauter. Als der Lehrer uns das dritte Mal daran erinnerte, dass das Bild für uns gewaschen worden ist, hatte ich mich gegen das Bild entschieden.

Komischerweise war Basti nun drauf und dran, das Bild zu kaufen. Doch wir hatten natürlich nicht genug Geld dabei. Und genau das waren Bastis letzte Worte an den Künstler: Wir müssen noch auf die Bank. Und plötzlich machte der nette Künstler (von wegen: „Ist mir egal, ob ihr kauft“) auf dem Absatz kehrt und ließ uns wortlos stehen. Und wir hatten unsere Entscheidung: dann eben nicht!

Und wie froh ich bin, dass wir das (trotzdem wunderschöne) Bild nicht gekauft haben. Denn auch in den nächsten Tagen versuchten uns ständig irgendwelche Leute auf der Malioboro in die Ausstellung zu ziehen (die natürlich weiterhin geöffnet hatte).

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Malioboro Straße

Ich war nach diesem Schwindel echt geschockt. Nicht nur, dass unser Hostelbesitzer (!), also ein Mann, bei dem wir Gast waren, dem wir Geld gezahlt haben und der uns vor so einer miesen Masche warnen sollte, dorthin geschleppt hat. Nein, auch mein Vetrauen in Yogyas Künstler ist weg. Ich verstehe einfach nicht, warum man Touristen so belügen muss. Hätten sie uns einen Tag Bedenkzeit gegeben und nicht diesen Druck ausgeübt – wir wären wahrscheinlich am nächsten Tag wieder gekommen und hätten das Bild gekauft. Warum also diese miese Masche?

Es ist ja nicht so, dass noch nie jemand versucht hätte, uns das Geld aus der Tasche zu ziehen oder uns zu irgendetwas zu überreden. Aber das hier hat mich wirklich geschockt. Der Ruf von Yogyas echten Batik-Künstlern wird doch so total zerstört.

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Batik-Bild

Das Hostel haben wir übrigens am nächsten Tag verlassen, da wir Bettwanzen (wir denken zumindest, dass es welche waren) entdeckt hatten. In unserer neuen Unterkunft, dem Setia Kawan Losmen (sehr zu empfehlen) wolllte uns niemand in die Ausstellung schleppen. Außerdem haben die Bettlaken und Handtücher richtig frisch gewaschen gerochen (hatten wir bis jetzt noch nie) und zum Frühstück gab es frische gepresste Säfte (Papaya für mich und Zitrone für Basti) und Ananas-Pancakes mit Honig (für mich) und Toast mit Ei (für Basti). Nach diesem Frühstück fühlten wir uns sofort besser. Bis wir dem nächsten Lügner über den Weg liefen… Diese Geschichte gibt’s das nächste Mal 😉 .


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