Wie alles begann: 3 Wochen Marokko und wir waren das perfekte Reise-Paar


Sehr spontan waren wir von Anfang an. Nach 9 Monaten Beziehung stand unser erster großer Urlaub an. Damals. Im November 2012. Ich weiß noch, dass wir unbedingt ins Warme wollten. Ganz entspannt 3 Wochen die Sonne genießen. Nie hätte ich gedacht, dass der Basti mir bei einem Ausflug seine Socken leihen müsste, weil mir so kalt war, dass meine Lippen schon blau anliefen. Oder, dass der Basti, mein damals noch neuer Freund, eine Etagentoilette Mitten in der Nacht putzen müsste, weil ich aufgrund einer Lebensmittelvergiftung (der allerersten in meinem Leben) vor Schwäche kaum noch stehen konnte. Aber dazu später mehr.

Wir hatten uns Marokko ausgesucht, für unseren ersten gemeinsamen Jahresurlaub. Das Land im Nordwesten Afrikas mit seinen Souks, Gewürzen und dem leckeren frischen Minztee. Gebucht hatten wir nur den Hin- und Rückflug nach Casablanca. Extrem spontan und planlos waren wir von Anfang an 😉 .

Planlos von Anfang an

Damals sind wir gerade frisch zusammengezogen. In unsere wunderschöne Heidelberger Wohnung, mit dem besten Vermieter der Welt. Mit dem Zug wollten wir von dort aus nach Frankfurt zum Flughafen fahren. Genau eine Stunde vor Zugabfahrt haben wir angefangen, unsere Rucksäcke zu packen.

In Casablanca sind wir dann abends angekommen und direkt mit dem Zug gute 300 Kilometer Richtung Norden nach Tanger gefahren (gute 5 Stunden für 125 DH pro Person, ca. 28 Euro). Ich kann mich noch genau an ein wahnsinnig tolles Frühstück in Tanger erinnern – und ihr wisst, wie sehr ich es liebe, zu frühstücken. Wir saßen in einem echt schicken Restaurant, das La Giralda, mit Blick auf das Meer – an dem Tag konnten wir sogar bis nach Spanien gucken – und hatten den Tisch voller Leckereien: Minztee, Kaffee, Croissants, Panini, Omelette, Crepe, Oliven, Brot und süße Teilchen. Und gekostet hat das alles mit diesem Wahnsinns-Ausblick und dem tollen Ambiente fast nichts.

Erinnern kann ich mich auch noch an die krassen Gegensätze der Stadt. Wir standen einmal am Strand und haben nach links geschaut und da sah die Stadt richtig schäbig und heruntergekommen aus. Der Blick nach rechts zeigte uns ein ganz anderes Tanger: Große Hotels und moderne Gebäude zierten auf dieser Seite das Stadtbild. Das beste Essen hatten wir trotzdem im schäbigen Teil der Stadt, wo auch unser Hotelzimmer war (24 DH pro Nacht, ca. 5 Euro). An einem winzigen Stand hat uns ein Mann mit extrem dreckigen Händen ein gefülltes Fladenbrot gereicht, das so lecker war. Uns ging es danach auch ausgezeichnet.

Essenstechnisch haben wir uns auch auf die leckeren Tagines gestürzt. Das sind typisch marokkanische Couscous-Gerichte, die in einem aus Lehm gebrannten Schmorgefäß mit kegelförmigen Deckel gekocht werden. Zu trinken gab es für uns 3 Wochen lang jeden Tag frischen Minztee – für mich allerdings immer „sans sucre“. Denn Zucker lieben die Marokkaner sehr. Extrem sogar. Ich musste mir also sehr schnell die französischen Wörter für „ohne Zucker“ wieder ins Gedächtnis rufen. Das galt auch für meinen täglichen Kaffee. Trotzdem habe ich immer bergeweise Zuckerwürfel neben die Tasse gelegt bekommen (ich übertreibe hier nicht).

„En français, s’il vous plaît!“

Apropos: In Marokko kommt ihr mit Englisch nicht weit. Da müsst ihr schon ein bisschen französisch sprechen. Ich habe die Sprache Gott sei Dank 3 Jahre lang intensiv in der Schule gelernt – nur dummerweise danach nie wieder angewendet. Durch Marokko habe ich uns trotzdem mit meinem sehr gebrochenen Französisch gebracht.

Mit dem Lonely Planet durch Marokko
Strand in Tanger
Marokko
Das Frühstück im La Giralda
Marokko
Typisch marokkanische Teekane

Blick nach rechts auf das moderne Tanger…
Marokko
Blick nach links

Strand in Al Hoceima

Nach Tanger ging es für uns mit dem Bus weiter ins etwa 300 Kilometer weiter östlich gelegene Al Hoceima (105 DH pro Person für 5 Stunden Fahrt, ca. 23 Euro). Das ist ein wirklich schöner kleiner Ort, nur wir waren zur falschen Jahreszeit da. Denn es war echt kalt. Ungewöhnlich kalt sogar, wie uns ein Einheimischer verriet. Am Strand liegen konnten wir also nicht.

Ein weiterer Bus brachte uns von Al Hoceima ins wundervolle Fès (105 DH pro Person, ca. 23 Euro. In der Kulturhauptstadt des Landes sind wir dann zum ersten mal so richtig in das Gassengewirr eines Souks eingetaucht. Dummerweise an einem Freitag. Da war die ganze Innenstadt wie ausgestorben. Was wir nämlich nicht bedacht hatten: Der Freitag gilt im Islam als heiliger Tag. Die Muslime treffen sich mittags zu einem ausgiebigen Freitagsgebet in der Moschee.

Achtung: Touri-Fallen

Vermeidet diesen Tag also, wenn ihr einen typischen Souk sehen wollt. Und noch ein Tipp: Hört nicht darauf, wenn ihr durch die Gassen streift und Einheimische euch weismachen, dass ihr auf eine Sackgasse zulauft oder das Geschäft, in das ihr wollt, bereits geschlossen hat. Das stimmt in 99% der Fälle nicht. Die meisten Einheimischen wollen sich als Guide bei euch einklinken (auch ungefragt) und verlangen dann am Ende Geld dafür, dass sie mit euch gelaufen sind. Überlegt euch also gleich, ob ihr das möchtet. Wenn nicht, sagt bestimmt : „Non, merci“ (Nein Danke)!

Wenn plötzlich jemand neben euch steht und euch irgendetwas erklärt und ihr denkt: Ist das nett – nein, ist es nicht. Derjenige will einfach nur Geld von euch. Sagt also am besten immer sofort, wenn ihr Gesellschaft bekommt, die ihr nicht wollt (das kommt sehr häufig vor): „Non, merci“!

Der Lonely Planet empfiehlt das Café Clock in Fès. Das ist auf jedenfall sehr sehenswert. Es hat verschiedene kleine Dachterrassen und dort gibt es leckeres Couscous mit Zwiebeln, Rosinen, Aprikosen und Hühnchen, Kamelburger, leckere Getränke und abends wird unten Musik gespielt.

Toilettenpapaier kostet extra

Eine 40 minütige Zugfahrt von Fès entfernt liegt Meknes. Dort haben wir ein Zimmer mit Waschbecken, aber ohne Toilette im Hotel Maroc bezogen. Toilettenpapier mussten wir uns für für 4 DH extra an der Rezeption kaufen (1 Rolle). Auf dem Markt haben wir dann 8 DH für 6 Rollen bezahlt. Toilettenpapier ist rar in Marokko, kauft es also lieber gleich am Anfang. Gott sei Dank haben wir Nachschub auf dem Markt geholt, denn sonst wäre die Nacht noch schlimmer für mich gewesen…

Wir ihr ja wisst, essen wir immer nur in lokalen Restaurants, auf Märkten oder an kleinen Ständen, an denen Einheimische Schlange stehen. An dem einen Abend in Meknes wollten wir uns etwas gönnen und hatten uns im Lonely Planet ein hübsches Restaurant herausgesucht. Großer Fehler. Denn schon kurz nach dem Essen fühlte sich mein Magen ziemlich aufgebläht an – und ich mich entsprechend unwohl. Natürlich ließ ich mir davon nichts anmerken, denn Basti und ich waren nach gerade mal 9 Monaten Beziehung ja immer noch in der mega rosa-rot-Phase. 2 Stunden später, mittlerweile waren wir glücklicherweise wieder im Hotel, konnte ich dann nichts mehr verheimlichen. Meine allererste Lebensmittelvergiftung traf mich wie ein Schlag. Und während ich mich quälte und dachte, ich sterbe, wusste der arme Basti vor lauter Sorge um mich gar nicht was er machen sollte und wich mir nicht von der Seite. Ich hing fast die ganze Nacht auf der Toilette und irgendwann schaffte er mich dann ins Bett. Während ich völlig entkräftet einschlief, putze der liebe Basti das Etagenklo. Wenn das mal keine Liebe war/ist 😀 . Und was lernen wir daraus: Immer da essen, wo auch die Einheimischen sitzen!

Wie ihr seht, stellte sich sehr schnell heraus, dass Basti und ich als Reisepartner sehr gut zusammen funktionieren, uns prima ergänzen (ich sage, was wir uns anschauen und Basti führt uns dahin) und auch in schlechten Zeiten zusammenhalten.

Ich habe dann übrigens den ganzen restlichen Urlaub keine Tagine mehr sehen können (dabei schmeckt das so lecker) und mich fast nur noch von Fladenbrot und Mandarinen ernährt.

Und hier ein paar Bilder aus Fès und Meknes…

Tagesauflug zur Ausgrabungsstätte Volubilis und ins heilige Moulay Idris

Von Meknes aus empfehlen wir euch einen Tagesausflug nach Volubilis und Moulay Idris. Volubilis ist eine archäologische Stätte, die die am besten erhaltenen Monumente aus der römischen Antike in diesem Teil Nordafrikas zeigt und seit 1997 UNESCO-Weltkulturerbe. Moulay Idris gilt bei vielen Muslimen als heilig, weil dort das Grab des Staatsgründers Idris I. liegt. Die Stadt durfte bis ins 20. Jahrhundert hinein nicht von Ausländern betreten werden.

Wir haben von Meknes aus den Bus nach Moulay Idris genommen, sind dann mit dem Taxi nach Volubilis und dann von Moulay Idris wieder mit dem Bus zurück gefahren. An dem Tag hatten wir echt Pech mit dem Wetter. Es war so richtig nasskalt. So kalt, dass meine Lippen irgendwann blau wurden. Also hat der liebe Basti seine Socken ausgezogen und sie mir angezogen. Ich war nämlich nur mit dünnen Ballerinas unterwegs. Meine handgerfertigten und -gefärbten Lederstiefelchen habe ich mir dummerweise erst am nächsten Tag gekauft (knallhart verhandelt auf 400 DH, ca. 35 Euro). Ich liebe diese Stiefel immer noch 🙂 . 400 DH haben wir übrigens auch für unsere marokkanische Teekanne und 6 kleine, verzierte Gläser bezahlt. Ihr müsst echt knallhart verhandeln. Der Trick dabei: Immer freundlich  lächeln und ab und zu mal weglaufen 😉 .

Moulay Idris

Marrakesch und die Cascades d`Ouzoud

Ein Zug hat uns von Meknes nach Marrakesch gebracht, wo wir mitten auf dem Souk, in einem Teil, in dem wir kaum Touris gesehen haben, eines der besten Essen bekommen haben: mit Hackfleisch, Zwiebeln, Tomaten und Ei gefülltes Fladenbrot von einem Mini-Grillstand. Das hat dann selbst mein Magen wieder vertragen.

Marrakesch ist wirklich eine sehr sehenswerte Stadt. Unser Tipp: Meidet die Touri-Cafés. Dort schmeckt der Kaffee nicht mal halb so gut, wie in den kleinen schäbigen Cafés. Die sind zwar voller Männer, aber der Kaffee ist extrem günstig und extrem lecker!

Apropos Cafés. Weil ich ja mit dem Basti unterwegs war, konnten wir auch in die kleinen Lokale gehen. Ein bisschen unwohl habe ich mich als einzige Frau aber schon gefühlt. Vor allem, als ich einmal auf Toilette wollte und mich in eine Art offene Duschkabine auf dem Herrenklo (es gab kein anderes) hocken sollte!!! So dringend musste ich dann doch nicht…

Wendet das „Non, merci“ in Marrakesch unbedingt mit Nachdruck an. Sonst kann es passieren, dass ihr plötzlich Henna auf der Hand, einen Affen auf dem Kopf oder einen Donut im Mund habt. Wirklich! Das haben wir alles genau so erlebt, obwohl wir ständig „Non, merci“ gesagt haben.

„Oui“ (also ja) haben wir zu einem Ausflug zu dem Wasserfall Cascades d‘Ouzoud gesagt. Alles in allem war das Ganze schon sehenswert und auch interessant, weil wir einiges über den Anbau von Oliven gelernt haben. Aber die Art und Weise wie die uns auf der Ausfahrt abzocken wollten, hat uns sehr geärgert. Vom überteuerten Mittagessen (nehmt euch am besten Fladenbrot mit), über eine aufgezwungene Bootsfahrt bis hin zu einem übertriebenen Trinkgeld, zu dem wir gezwungen wurden, hat sich die Geldmacherei durch den ganzen Tag gezogen.

Leider müsst ihr in Marokko ständig damit rechnen, dass jemand die Hand aufhält. Trotzdem lohnt sich eine Reise in dieses Land.

Neben Marrakesch an sich, ist der naheliegende Jardin Majorelle sehr sehenswert. 1980 kaufte der französischen Modedesigner Yves Saint Laurent den botanischen Garten zusammen mit seinem Lebensgefährten und Geschäftspartner Pierre Bergé. Dort befindet sich auch das Grab von Saint Laurent. Leider können wir euch davon keine tollen Bilder zeigen, da unsere Kamera an dem Tag ihren Geist aufgegeben hat.

Jardin Majorelle

Ouzoud-Fälle

Unser letzter Stop war Casablanca, wo wir sehr beeindruckt waren von der Hassan-II.-Moschee, die eine der größten Moscheen der Welt ist und von Ausländern betreten werden darf. Nicht entgehen lassen haben wir uns in Casablanca natürlich auch einen Besuch in Rick’s Café (bekannt aus dem Film „Casablanca“). Dort haben wir dann das erste und einzige Mal Alkohol getrunken in Marokko 🙂 .

Empfehlen können wir außerdem das Restaurant Dauphin. Dort haben wir Riesengarnelen, Schwertfisch, viel Brot mit viel Knoblauchbutter, Oliven und scharfe Soße für gerade mal 23,50 Euro gegessen!

Ansonsten hat uns Casablanca übrigens nicht so zugesagt. Die Stadt zeigt ein ganz anderes, viel moderneres, Marokko als Fès oder Marrakesch.

Zwei Menschen. Zwei Jahre. Ein Traum.

Das war er also, unser erster gemeinsamer Urlaub im November 2012. Heute, etwa 5 Jahre später, haben wir nicht nur etliche Urlaube, sondern auch eine 2-jährige Weltreise hinter uns. Und unser Fernweh ist noch lange nicht gestillt.

Wir sind übrigens nicht die einzigen, die in Deutschland alles aufgegeben haben und ohne Plan in die Welt hinaus gereist sind. Gemacht haben das u.a. auch Ulli und Lena. Die beiden wollten sich für ein halbes Jahr lang eine Auszeit nehmen und sind am Ende 2 Jahre mit dem Auto durch Afrika gereist. Was sie dort erlebt haben, möchten sie in einem Film zeigen, für den es eine Crowdfunding-Kampagne gibt, die noch bis zum 28. Januar läuft. Noch mehr spannende Blogbeiträge zum Thema Auswandern, Afrika und Marokko findet ihr auf dieser Seite. Viel Spaß beim Lesen und Inspirieren lassen!


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